19.02.15 01:11 Alter: 3 Jahre

Zu: Social Egg Freezing

Rubrik: Glossen und Kommentare
Von: Ursula Müller

Zu: Social Egg Freezing

Knausrige Arbeitgeber

Das war ja wieder mal ein geiziges Angebot, das Appel und Facebook sich für Frauen ausgedacht haben: social egg freezing! Man und frau kann ja sehr gut verstehen, dass diese Arbeitgeber ihre Top-Frauen nicht wegen des Nachwuchses kurz- oder längerfristig verlieren möchten, den diese während ihrer für den Betrieb produktivsten Phase zu bekommen wünschen und sich einen feuchten Kehrricht um die Interessen ihrer Brötchengeber scheren. Aber nun social egg freezing zu betreiben, also unbefruchtete Eizellen einfrieren zu lassen auf Kosten der Firma, ist nun wirklich eine sehr halbherzige Sache. Warum zeigen sich Facebook und  Appel nicht wirklich spendabel und bieten an, den gebärfreudigen Frauen eine indische Leihmutter mit allem Drum und Dran zu finanzieren. Das kostet gerade mal 20.000 € und stellt auch noch Entwicklungshilfe dar, denn die austragenden Inderinnen verdienen sehr gut daran, 4000 € nämlich. Was für Nicole Kidman kein Problem war, sollte doch für Top-Angestellte auch machbar sein. Natürlich ist es auch damit noch nicht getan. Denn wenn die Eltern ihr fremd ausgetragenes Baby in den Armen halten und bei dessen rührendem Anblick etwa auf die Idee kommen sollten, sich nun höchstselbst darum kümmern zu wollen, geht der Schuss nach hinten los. Das geht ja nun gar nicht. Da müssen dann auch Ammen, Kinderfrauen und -männern beschäftigt werden, damit die Eltern keine Stunde ihres Vollzeitjobs anderweitig verbringen. Das ist zudem gendergerecht und schafft Arbeitsplätze. Das sollten sich die Arbeitgeber auch etwas kosten lassen. Wenn schon, denn schon!

Und wenn wir nun schon mal bei Gendergerechtigkeit sind, hier gleich noch ein paar Vorschläge: Vom Unternehmen bezahlte Kinderfrauen- oder männer ala Angebot für Frauen und vor allem auch für Männer, die nun zunehmend Vätermonate haben wollen. Das sorgt dafür, dass auch letztere den Firmen erhalten bleiben und sich nicht zwei Monate lang hinter der Wickelkommode verstecken. Bis zu der Idee des eingefrorenen Spermas ist es angesichts von frauenspezifischem social egg freezing  nur noch ein kleiner Schritt. Mich wundert sowieso, dass noch kein Aufschrei der Gleichstellungsbeauftragten und der Maskulisten durchs Land gerauscht ist, die nun social sperm freezing einfordern. Vielleicht kann diese meine Anregung ja das Nachdenken darüber beschleunigen.


Ursula Müller
27.10.2014